Petra Kelly

Die Ikone der Umweltbewegung

von Viviane Backhaus 

Zürich, «Geprüfte Astrologin» SFER, Grundausbildung bei Heidi Dohmen. Literatur- und Kunstgeschichte-Studium. Tätig in der Verlagsbranche und nun im Schulwesen. Seit 2021 veröffentlicht sie den Blog «Astro-Randspalte». 

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 Petra Kelly, geborene Lehmann, war eine Ikone der deutschen Friedens- und Umweltbewegung. Unbeirrbar forderte sie die radikale Transformation der Gesellschaft: eine Welt ohne Waffen und den Frieden mit der Natur. Die radikale Pazifistin, Menschenrechtsaktivistin und Feministin war Gründungsmitglied der Grünen und Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Petra Kelly war eine Ausnahmeerscheinung – bis zu ihrem tragischen Ende: Im Alter von nur 44 Jahren wurde sie von ihrem Partner und politischen Weggefährten im Schlaf erschossen. Es war das gewaltsame Ende eines gewaltlosen Lebens.
Doch wer war Petra Kelly? Diese Medienzitate von 1983, das Jahr an dem ihre Polit-Karriere am Zenit stand, geben folgendes Bild ab: «Petra Kelly ist eine Feministin, die nicht gegen Männer kämpft, sondern mit ihnen.» (TV-Redaktor Helmut Weiland) - «Eine Masochistin? Eine Märtyrerin? Eine Missionarin? Oder einfach nur eine Einserkandidatin, besessen von krankhaftem Ehrgeiz?» (Schweizer Weltwoche) - «Sie war ein unwahrscheinlich feiner, filigraner, sensibler Mensch.» (Beste Freundin Erika Heinz) - «Sie war nicht von dieser Welt, sie hatte eine starke spirituelle Dimension.» (Ex-Freund Lukas Beckmann) - «Sie konnte auch verdammt hart sein und hatte durchaus Nehmerqualitäten.» (Grüner Weggefährte).

Alte und neue Heimat

Am 29. November 1947 kommt Petra Lehmann im schwäbischen Günzburg zur Welt, als einzige Tochter von Margarete Birle und Richard Lehmann. Der Vater verlässt die Familie plötzlich, ohne seine neue Adresse zu hinterlassen, als Petra sechs Jahre alt ist. So kommt es, dass Petra das Kind ihrer Grossmutter Kunigunde Birle wird. Das Entscheidende an ihrer Beziehung ist die Gleichberechtigung – sie scheinen eher Schwestern zu sein als Grossmutter und Enkelin. 

1959 verlässt Petra ihre Oma und zieht mit ihrer Mutter, Stiefvater John Edward Kelly und Halbschwester Grace in die USA.

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Während Petras Mutter als Übersetzerin arbeitet, besucht die kleine Petra eine Nonnenschule. Oma Birle gibt ihrem Liebling Sicherheit, Geborgenheit und opfert sich wahrhaft auf. Vielleicht zu sehr? Denn Oma wird Jahre später Petras Vertraute, beste Freundin, Seelentrösterin und unbezahlte Sekretärin sein. Auch gibt die energische Kriegerwitwe und Trümmerfrau Petra den weisen Rat mit: «Sei als Frau selbstständig, unabhängig und stark!» 
Die zarte Petra ist eine Aussenseiterin und will es allen recht machen. Sie ist kränklich, hat Nierensteine, leidet an schweren Koliken und wird mit acht Jahren operiert (AC-Herrscher Mond in Konjunktion zu Uranus Opposition Venus). So kompensiert sie ihre körperliche Schwäche mit dem Kopf. Später als Erwachsene ist sie davon überzeugt, ihre Leistungsstärke habe viel mit ihrer körperlichen Schwäche zu tun (Mars-Saturn Konjunktion im 3. Haus). Auch scheint die eigentlich starke Frau zu glauben, dass sie vor allem für ihre Schwäche geliebt wird (Krebs-AC, Neptun im 4. Haus in der Halbsumme von Sonne-Jupiter und Pluto).  Fig. 1: Radix Petra Kelly, 29.11.1947, 18:30 MEZ, 17:30 UT, DE-Günzburg, 48n27, 10e16. Quelle: Lois Rodden via Astrodatabank, AA (Koch-Häuser)

In West-Georgia bezieht die nun fünfköpfige Familie Kelly (mit Nachwuchs John Lee) ein eigenes Häuschen. Trotz Kulturschock begreift Petra die Gesetze des Kapitalismus von Leistung und Wettbewerb schnell. Sie paukt Tag und Nacht Englisch, denn sie ist es gewohnt, die Beste zu sein. Das zahlt sich aus, denn die Jupiterbetonte ist beliebt, hübsch und erfolgreich und weiss sich zu inszenieren. Während ihres Studiums engagiert sich Petra gegen den Vietnamkrieg und gegen Rassismus. 

   

Sie arbeitet im Wahlkampfteam von Robert Kennedy, kurz vor dessen Ermordung. Sie lernt dabei die politische Kultur der US-amerikanischen Gesellschaft und den gewaltfreien Protest der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung kennen. Die tüchtige Deutsche ist von nichts und niemandem eingeschüchtert, setzt aber gleichzeitig auf die Grossen und Mächtigen dieser Welt. 1969 beendet Petra ihr Studium der Politikwissenschaften und schliesst es mit dem «Bachelor of Arts» als beste ausländische Studentin ab. Sie beantragt ein Stipendium für ein Praktikum bei der Europäischen Gemeinschaft (EG) in Brüssel. Im gleichen Jahr stirbt ihre Halbschwester Grace an Krebs.

Auf Erfolgskurs

Die 1960er Jahre waren wohl die Unbeschwertesten, die Kelly im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» erleben durfte. Im anbrechenden neuen Jahrzehnt muss sie erst mal beweisen was sie kann – und sich warm anziehen, denn am Hauptsitz der EG in Brüssel weht ein rauer, kalter Wind. 
Im Herbst 1971, im mächtigen Glaskasten der EG, bekommt die 23-jährige Kelly im siebten Stock ihr Zimmer bzw. die Zelle Nr. 718 zugewiesen, passend dazu diese Transite: Saturn in Zwillinge im 11. Haus in Opposition zu Sonne-Jupiter, Chiron in Widder im 10. Haus in Opposition zu Neptun, Uranus-Lilith in Waage im 4. Haus in Konjunktion zu Neptun und Mars in Wassermann im 8. Haus in Opposition zu Pluto. Noch Jahre später äussert sich Kelly voller Bitterkeit über diese Zeit: «Ich bin dort nur ausgebeutet und seelisch unterdrückt worden, denn die EG war eine reine Männerbastion, ein öder trister Ort, wo die Sekretärinnen Kaffee kochten und häufig an Migräne litten». Das war noch harmlos, denn sie wurde zweimal überfallen und fast vergewaltigt. Das hat Kelly traumatisiert, denn diese frauenfeindliche Welt kannte sie bis anhin nicht. Zudem war sie einsam und isoliert. So suchte sie sich einen Freund und Beschützer. Das wird sie in Zukunft immer, in jeder Etappe ihres Weges tun (müssen) und es wird jeweils der mächtigste und interessanteste Mann der Domäne sein, in der sie sich bewegt. 

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In Brüssel wird es der Chef der EG sein: Sicco Mansholt. Mit dieser Verbindung ist sie geschützt, hat Zugang zu Wissen und Verbindungen zum Zentrum der Macht. Bald ist die ehemalige Praktikantin eine EG-Verwaltungsrätin. 

1975 beginnt Kelly ein Verhältnis mit dem 20 Jahre älteren John Carroll, ein irischer Gewerkschaftsführer, der in der europäischen Protestbewegung ein Idol ist. Mit ihm reist sie in den folgenden Jahren an alle Problemschauplätze der Welt. Im Sommer 1977 als Saturn ihren Pluto und Pluto ihren Neptun überquert erlebt Kelly in Melbourne ihr erstes «Die-In», ein gewaltloser Widerstand der Friedensbewegung: 60’000 Menschen liegen minutenlang wie tot auf der Strasse und protestieren so gegen die Neutronenbombe während die Polizei hilflos zusieht. Diese symbolträchtige Aktion findet Kelly wesentlich wirkungsvoller als alle Abrüstungsgespräche und Konferenzen. Sie wird Jahre später, als grüne Politikerin mit einigen symbolischen Aktionen noch von sich reden machen.  

Die Friedensbewegung

Mitten im schmutzigen rauch- und russgeschwärzten Ruhrgebiet zwischen Arbeitslosigkeit und stillgelegten Zechen sowie Träumen wächst eine Jugend heran, dessen Zukunft im Schatten der Düsenjäger aufgebaut wird, je mehr Militärstützpunkte und Raketenstellungen das Sauerland, die Eifel und den Niederrhein umsäumen. Gerade im beschaulichen Provinzstädtchen Wegberg, südwestlich von Düsseldorf, halten zwanzig Flugabwehrraketen (gut versteckt in einer nahen Waldlichtung) wie Zinnsoldaten die Stellung. Die dröhnenden aggressiven Düsenjäger sind für die Wegberger umso präsenter – unüberhörbar wie fühlbar. Statt darüber zu verzweifeln startet Jürgen Breu eine Bürgerinitiative, nämlich die erste gegen Atomwaffen! Kein leichtes Unterfangen, wie er und seine Freunde bald feststellen müssen. Denn seit dem NATO- Doppelbeschluss von 1979 gilt die Verschärfung des Kalten Krieges: Aufrüstung als Abschreckung. Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Meinung: «Wir brauchen Raketen gegen die Bedrohung im Osten!» Die Initianten werden als zwielichte Gestalten wahrgenommen, als Agenten Moskaus und als

   

Kommunisten beschimpft und angegriffen. Doch Jürgen Breu und seine Leute geben nicht auf. Ende 1980 bringt ihnen der «Krefelder Appell» die gewünschte Unterstützung.
Am 16. November 1980 wird in Krefeld am Niederrhein der von der Deutschen Friedens-Union (DFU) und den Grünen initiierte Appell öffentlich vorgestellt: „Der Atomtod bedroht uns alle – keine neuen Atomraketen in Europa!“ Der Krefelder Appell wurde von Gert Bastian formuliert, ein Ex-Nazi-Offizier sowie Ex-General, der nach seiner Pensionierung die Seiten gewechselt hat. 
Kellys progresive Sonne überquert gerade ihren DC als sie Bastian in Krefeld kennenlernt. Beide befinden sich in einer guten Phase: Bastian wird mit dem Appell, den bis 1983 noch über vier Millionen Bundesbürger unterzeichnen, über Nacht zum Helden der Friedensbewegung gekürt (der Appell wird allerdings im Keim erstickt werden, wenn Saturn in Skorpion wechelt). Kelly, die seit den 1980er Wahlen im Bundesvorstand der Grünen sitzt, ist eine der Ersten, die den Appell unterschreibt. Sie ist nicht länger zu übersehen denn die Grünen sind im Kommen. Die Partei besteht aus diversen Protestbewegungen, aus Ökos, linksliberalen Spontis und Künstlern.
Bald sitzen der Friedensgeneral und die Pazifistin mindestens einmal in der Woche auf einem Podium und reisen gemeinsam. In der Friedensbewegung hat Kelly auch ihre geistige Heimat gefunden (MC-Herrscher Neptun im 4. Haus in Waage). 

Petra Kelly und Gert Bastian. Quelle: www.alchetron.com

Obschon Kelly die Symbolfigur der deutschen Grünen ist, Star und Aushängeschild nach aussen in der Bewegung, wird sie aber nach innen zermürbt. Kelly ist ein Leuchtfeuer und eine Pionierin – sie wurde in den USA mediengeschult und hat ein neues Thema wie die Ökologie und einen neuen Politstil des gewaltfreien Widerstands in die Bundesrepublik eingeführt (Merkur-Chiron Konjunktion im Quadrat zu Pluto). 

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Die Einserkanditatin und Kosmopolitin war sich bis anhin diese Art von Ablehnung nicht gewöhnt. Neid und Missgunst schlagen ihr von der eigenen Partei deshalb entgegen, weil sie zu schnell, zu leidenschaftlich, zu charismatisch, zu smart, zu kompetent, zu visionär, zu unkonventionell und zu amerikanisch ist. Sie redet nicht wie eine Politikerin, denn ihre Worte sind beseelt, gehen den Zuhörern unter die Haut, als wäre sie mittels Sprachrohr verbunden mit einer anderen Welt (Merkur-Chiron im B-Quintil zu Mond-Uranus im 12. Haus). 
Ab Mitte 1982 wird sie von diffusen Ängsten geplagt. Heute würde man von Burn-out Symptomen sprechen, denn sie hetzt tagein tagaus von Termin zu Termin ohne Freitage, dazu kommen ihre Existenzängste: Sie muss bei der Partei um einen Minimallohn bitten. Ausserdem schläft sie kaum. Dazu kommt die Europäische Arbeiterpartei (EAP): Die Aktivisten dieser rechten Polit-Sekte verfolgen Kelly auf Schritt und Tritt und terrorisieren sie mit Morddrohungen. Kelly kann nur schwer Distanz halten und sich Abgrenzen. Sie leidet an der Welt, am Leid dieser Erde ist aber gleichzeitig eine Meisterin im Verdrängen ihrer eigenen Probleme (Mond-Uranus im 12. Haus). Dennoch bekommt 1982 Kelly den «Alternativen Friedensnobelpreis»  und zieht in den Bundestag, wo sie sieben Jahre bleibt. 
Am 2. Dezember 1990 verlieren die Grünen die Wahlen. Petra Kelly wäre auf keinen Fall mehr ins Parlament zurückgekommen, denn ihre Partei hätte sich geweigert, sie wieder als Kandidatin aufzustellen (stationärer rückläufiger Mars). Die einst alternative Partei hat sich gewandelt und ist längst Teil des Parteienestablishments geworden, wo es darum geht an der Macht zu bleiben … Da ist kein Platz mehr für die idealistische Kelly. Doch Kellys Rat ist weltweit gefragt und sie beantwortet Tausende von Briefen. 

Die Traum(a)-Beziehung

Bastian ist für Kelly der grosse, freie weltgewandte Mann, der stattlich, in sich ruhend, umstritten, aber auch anerkannt und offensiv ist (Sonne-Sonne Trigon). Ausserdem spiegelt der ehmalige Berufssoldat ihren DC-Herrscher Saturn in der Halbsumme von Pluto und Mars wieder. 
So souverän sich die eloquente Kelly in der Öffentlichkeit präsentiert, so kindisch und unbeholfen ist sie privat: Wie ein trotziges Kind schreit sie, wenn sie ihren Willen nicht bekommt. Sie interessiert sich nicht für weltliche Dinge, wie z.B. Kochen (fehlendes Erdelement), denn sie lebt voll und ganz für die Politik. Da kommt der fürsorgliche Bastian gerade recht, der ihr in ihrem gemeinsamen Häuschen in Bonn-Tannenbusch viele Arbeiten abnimmt, wie z.B. die ganze Reiseorganisation. Auch ist er ständig an ihrer Seite, da Kelly nicht alleine sein kann (Mond in Zwillinge). 

   

Mit Geburtsherrscher Mond im 12. Haus müsste sie gerade das lernen und sich um ihre Gesundheit, eine gute Erdung und Abgrenzung bemühen (Mondknoten in Stier im 11. Haus, Venus im 6. Haus). 
Doch Kelly macht das Gegenteil von dem, was ihr gut täte: Sie stürzt sich noch mehr in die Arbeit, geht nicht vor vier Uhr früh ins Bett und nimmt ihre Burn-out Symptome, wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Bauch- und Rückenschmerzen, nicht ernst. Ihre Freunde und Angehörigen schlagen ihr dringend eine Verhaltenstherapie vor, doch sie lehnt ab. Hat sie Angst vor der Wahrheit hinter ihren Ängsten? Die getriebene und chronisch erschöpfte Kelly merkt wenig im Privaten: Sie sieht nicht, wie sie mit ihrer Mischung aus Tyrannei und Bedürftigkeit Bastian zunehmend auszehrt. Je hilfreicher er ist, um so hilfloser wird Kelly. Ist sie mit anderen zusammen, sieht das aber anders aus: Sie wird nur zum Kind, wenn er da ist. 
Warum Bastian nicht schon längst wieder zurück nach München zu seiner Ehefrau Lotte gezogen ist hat zwei Gründe: Kelly «the green queen» erschliesst ihm die grosse weite Welt (Bastians Uranus, Merkur, Sonne, Chiron fallen in ihr 10. Haus und sein Jupiter auf ihre Merkur/Chiron Konjunktion), und er braucht es, gebraucht zu werden. So sichert er sich seine Macht und hält Kelly klein (Pluto auf ihrem AC). Das ist der Kitt, der sie zusammenhält. Dieser beginnt 1986 richtig zu bröckeln als Neptun auf Kellys DC zusteuert und Saturn ihre Sonne-Jupiter Konjunktion überquert. 
Eine Seelenverwandtschaft haben die beiden definitiv nicht: Hier die wissende Herzdame und Friedenstaube für die folgender Glaubenssatz gilt: «Wer mit Waffen schiesst, verliert seine Menschlichkeit», dort der distanzierte Kopfmensch, der ausserdem ein Waffennarr ist. Gemeinsam ist ihnen die Liebe zur Politik sowie öffentliche Auftritte. Beide scheitern jedoch an ihren Geschlechterrollen und beide haben einen schlechten Zugang zu ihren Gefühlen.  

Die Tragödie

Längst wiegt der Hass schwerer als die Liebe, auf beiden Seiten, obschon Kelly immer wieder beteuert, ohne Bastian nicht leben zu können. Die Verbindung, die am Anfang so glamourös und spannend war, steuert einer Katastrophe zu. Der deutsche Elite-Mann hatte Kelly einst, vor vielen Jahren, als kämpferische Jeanne d’Arc bewundert und nun empfindet er nur noch Verachtung und Hass für das abhängige Nervenbündel. Wenige Wochen vor ihrem Tod schreibt Kelly diesen Wunsch auf: «Ich wünsche mir ein langes, fruchtbares, schöpferisches Zusammenleben und Wirken mit meinem Lebens- und Seelengefährten Gert Bastian.» 

Am frühen Morgen des 1. Oktobers 1992 erschiesst Bastian Kelly im Schlaf, danach richtet er sich selbst. Die Leichen werden erst am 19. Oktober aufgefunden. Die Schlussfolgerungen der Bonner Staatsanwaltschaft lauten: Doppelselbstmord, obschon es keinen einzigen Hinweis darauf gibt, dass Kelly sterben wollte. Sie hatte einen vollen Terminkalender bis 1993, wollte 1994 ins Europa-Parlament sowie eine Umweltsendung bei BBC-London moderieren. Der 69-jährige Bastian hingegen hatte nichts mehr. Er ging auf Krücken, seine politische Karriere war am Ende und seine Noch-Ehefrau Lotte, Sohn Till und Tochter Eva hatten ihm unlängst den Rücken gekehrt. 

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Fig. 2: Innen: Petra Kelly, 29.11.1947
Aussen: Gert Bastian, 26.3.1923, Geburtszeit unbekannt

Ein Aufschrei der Empörung bleibt aus, stattdessen wird Bastian als Held verehrt, ausgerechnet von den Grünen, die den Mord an Kelly als ritterlichen Akt der Gnade verstehen, da die kranke Frau ohnehin nicht mehr zu retten war. Gerüchten zufolge soll Bastian Kelly kurz vor der Veröffentlichung seiner Stasi-Akten erschossen haben, die er nicht mehr verhindern konnte, doch der Verdacht, dass Bastian als inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) arbeitete, ist widerlegt. Otto Schily, Kellys ehemaliger Parteikollege, ist empört über das Gerede. Für den Juristen ist klar, dass es keine Tragödie, sondern ein Mord, ein kaltblütiger Mord war. Das sehen auch Mutter und die 87-jährige Oma Birle so, denn sie wissen, dass ihre Petra trotz ihrer psychischen Probleme (Panikattacken, Verfolgungswahn) noch über genügend Lebenswillen verfügte und nicht sterben wollte. Es ist eindeutig, dass die tödlichen Schüsse von Gert Bastian abgegeben worden sind, mit seiner Pistole Derringer, die er seit 1963 besass und von deren Existenz die Pazifistin nichts wusste. War es Kellys Karma, so früh, in der Mitte ihres Lebens, zu sterben? Hatte sie den Höhepunkt ihres Schaffens erreicht, oder drohten die Dämonen ihres Unterbewusstseins sie zu verschlingen? Konnte und wollte sie wirklich ohne Bastian nicht mehr Leben? 

An ihrem Todestag, den 1. Oktober 1992, stand die Sonne kurz vor ihrem Neptun und Chiron auf ihrem Saturn. Transit-Mars stand ebenfalls auf ihrem AC (und auf Bastians Pluto), Pluto flankierte ihren absteigenden Mondknoten, der Alterspunkt erreichte ihre Lilith und der Mond ihren Jupiter. Der seit 1990 rückläufig gewordene progressive Mars stand am Todestag genau auf ihrem IC im Quadrat zu ihrem AC. Kelly hatte ausgepowert. Sie konnte nicht mehr wie sie wollte und sie hatte es versäumt, sich in den letzten zwei Jahren um ihr Innenleben zu kümmern, sich ihren Dämonen, ihren Ängsten, die sie zu verschlingen drohten, zu stellen. Flüchten ging nicht mehr. 
Die Klimajugend «Fridays for future» wird immer populärer und mächtiger. Sie hat Petra Kellys Botschaft verstanden und trägt diese hinaus in die Welt: «Die Natur spricht leise – doch wer nicht hört, wird eines Tages von ihrem Sturm überrascht werden».