Petra Kelly
Die Ikone der Umweltbewegung
Petra Kelly, geborene Lehmann, war eine Ikone der deutschen Friedens- und Umweltbewegung. Unbeirrbar forderte sie die radikale Transformation der Gesellschaft: eine Welt ohne Waffen und den Frieden mit der Natur. Die radikale Pazifistin, Menschenrechtsaktivistin und Feministin war Gründungsmitglied der Grünen und Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Petra Kelly war eine Ausnahmeerscheinung – bis zu ihrem tragischen Ende: Im Alter von nur 44 Jahren wurde sie von ihrem Partner und politischen Weggefährten im Schlaf erschossen. Es war das gewaltsame Ende eines gewaltlosen Lebens. Alte und neue HeimatAm 29. November 1947 kommt Petra Lehmann im schwäbischen Günzburg zur Welt, als einzige Tochter von Margarete Birle und Richard Lehmann. Der Vater verlässt die Familie plötzlich, ohne seine neue Adresse zu hinterlassen, als Petra sechs Jahre alt ist. So kommt es, dass Petra das Kind ihrer Grossmutter Kunigunde Birle wird. Das Entscheidende an ihrer Beziehung ist die Gleichberechtigung – sie scheinen eher Schwestern zu sein als Grossmutter und Enkelin. 1959 verlässt Petra ihre Oma und zieht mit ihrer Mutter, Stiefvater John Edward Kelly und Halbschwester Grace in die USA. Seite 3 |
Während Petras Mutter als Übersetzerin arbeitet, besucht die kleine Petra eine Nonnenschule. Oma Birle gibt ihrem Liebling Sicherheit, Geborgenheit und opfert sich wahrhaft auf. Vielleicht zu sehr? Denn Oma wird Jahre später Petras Vertraute, beste Freundin, Seelentrösterin und unbezahlte Sekretärin sein. Auch gibt die energische Kriegerwitwe und Trümmerfrau Petra den weisen Rat mit: «Sei als Frau selbstständig, unabhängig und stark!» In West-Georgia bezieht die nun fünfköpfige Familie Kelly (mit Nachwuchs John Lee) ein eigenes Häuschen. Trotz Kulturschock begreift Petra die Gesetze des Kapitalismus von Leistung und Wettbewerb schnell. Sie paukt Tag und Nacht Englisch, denn sie ist es gewohnt, die Beste zu sein. Das zahlt sich aus, denn die Jupiterbetonte ist beliebt, hübsch und erfolgreich und weiss sich zu inszenieren. Während ihres Studiums engagiert sich Petra gegen den Vietnamkrieg und gegen Rassismus. |
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Sie arbeitet im Wahlkampfteam von Robert Kennedy, kurz vor dessen Ermordung. Sie lernt dabei die politische Kultur der US-amerikanischen Gesellschaft und den gewaltfreien Protest der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung kennen. Die tüchtige Deutsche ist von nichts und niemandem eingeschüchtert, setzt aber gleichzeitig auf die Grossen und Mächtigen dieser Welt. 1969 beendet Petra ihr Studium der Politikwissenschaften und schliesst es mit dem «Bachelor of Arts» als beste ausländische Studentin ab. Sie beantragt ein Stipendium für ein Praktikum bei der Europäischen Gemeinschaft (EG) in Brüssel. Im gleichen Jahr stirbt ihre Halbschwester Grace an Krebs. Auf ErfolgskursDie 1960er Jahre waren wohl die Unbeschwertesten, die Kelly im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» erleben durfte. Im anbrechenden neuen Jahrzehnt muss sie erst mal beweisen was sie kann – und sich warm anziehen, denn am Hauptsitz der EG in Brüssel weht ein rauer, kalter Wind. Seite 4 |
In Brüssel wird es der Chef der EG sein: Sicco Mansholt. Mit dieser Verbindung ist sie geschützt, hat Zugang zu Wissen und Verbindungen zum Zentrum der Macht. Bald ist die ehemalige Praktikantin eine EG-Verwaltungsrätin. 1975 beginnt Kelly ein Verhältnis mit dem 20 Jahre älteren John Carroll, ein irischer Gewerkschaftsführer, der in der europäischen Protestbewegung ein Idol ist. Mit ihm reist sie in den folgenden Jahren an alle Problemschauplätze der Welt. Im Sommer 1977 als Saturn ihren Pluto und Pluto ihren Neptun überquert erlebt Kelly in Melbourne ihr erstes «Die-In», ein gewaltloser Widerstand der Friedensbewegung: 60’000 Menschen liegen minutenlang wie tot auf der Strasse und protestieren so gegen die Neutronenbombe während die Polizei hilflos zusieht. Diese symbolträchtige Aktion findet Kelly wesentlich wirkungsvoller als alle Abrüstungsgespräche und Konferenzen. Sie wird Jahre später, als grüne Politikerin mit einigen symbolischen Aktionen noch von sich reden machen. Die FriedensbewegungMitten im schmutzigen rauch- und russgeschwärzten Ruhrgebiet zwischen Arbeitslosigkeit und stillgelegten Zechen sowie Träumen wächst eine Jugend heran, dessen Zukunft im Schatten der Düsenjäger aufgebaut wird, je mehr Militärstützpunkte und Raketenstellungen das Sauerland, die Eifel und den Niederrhein umsäumen. Gerade im beschaulichen Provinzstädtchen Wegberg, südwestlich von Düsseldorf, halten zwanzig Flugabwehrraketen (gut versteckt in einer nahen Waldlichtung) wie Zinnsoldaten die Stellung. Die dröhnenden aggressiven Düsenjäger sind für die Wegberger umso präsenter – unüberhörbar wie fühlbar. Statt darüber zu verzweifeln startet Jürgen Breu eine Bürgerinitiative, nämlich die erste gegen Atomwaffen! Kein leichtes Unterfangen, wie er und seine Freunde bald feststellen müssen. Denn seit dem NATO- Doppelbeschluss von 1979 gilt die Verschärfung des Kalten Krieges: Aufrüstung als Abschreckung. Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Meinung: «Wir brauchen Raketen gegen die Bedrohung im Osten!» Die Initianten werden als zwielichte Gestalten wahrgenommen, als Agenten Moskaus und als |
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Kommunisten beschimpft und angegriffen. Doch Jürgen Breu und seine Leute geben nicht auf. Ende 1980 bringt ihnen der «Krefelder Appell» die gewünschte Unterstützung. Petra Kelly und Gert Bastian. Quelle: www.alchetron.com Obschon Kelly die Symbolfigur der deutschen Grünen ist, Star und Aushängeschild nach aussen in der Bewegung, wird sie aber nach innen zermürbt. Kelly ist ein Leuchtfeuer und eine Pionierin – sie wurde in den USA mediengeschult und hat ein neues Thema wie die Ökologie und einen neuen Politstil des gewaltfreien Widerstands in die Bundesrepublik eingeführt (Merkur-Chiron Konjunktion im Quadrat zu Pluto). Seite 5 |
Die Einserkanditatin und Kosmopolitin war sich bis anhin diese Art von Ablehnung nicht gewöhnt. Neid und Missgunst schlagen ihr von der eigenen Partei deshalb entgegen, weil sie zu schnell, zu leidenschaftlich, zu charismatisch, zu smart, zu kompetent, zu visionär, zu unkonventionell und zu amerikanisch ist. Sie redet nicht wie eine Politikerin, denn ihre Worte sind beseelt, gehen den Zuhörern unter die Haut, als wäre sie mittels Sprachrohr verbunden mit einer anderen Welt (Merkur-Chiron im B-Quintil zu Mond-Uranus im 12. Haus). Die Traum(a)-BeziehungBastian ist für Kelly der grosse, freie weltgewandte Mann, der stattlich, in sich ruhend, umstritten, aber auch anerkannt und offensiv ist (Sonne-Sonne Trigon). Ausserdem spiegelt der ehmalige Berufssoldat ihren DC-Herrscher Saturn in der Halbsumme von Pluto und Mars wieder. |
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Mit Geburtsherrscher Mond im 12. Haus müsste sie gerade das lernen und sich um ihre Gesundheit, eine gute Erdung und Abgrenzung bemühen (Mondknoten in Stier im 11. Haus, Venus im 6. Haus). Die TragödieLängst wiegt der Hass schwerer als die Liebe, auf beiden Seiten, obschon Kelly immer wieder beteuert, ohne Bastian nicht leben zu können. Die Verbindung, die am Anfang so glamourös und spannend war, steuert einer Katastrophe zu. Der deutsche Elite-Mann hatte Kelly einst, vor vielen Jahren, als kämpferische Jeanne d’Arc bewundert und nun empfindet er nur noch Verachtung und Hass für das abhängige Nervenbündel. Wenige Wochen vor ihrem Tod schreibt Kelly diesen Wunsch auf: «Ich wünsche mir ein langes, fruchtbares, schöpferisches Zusammenleben und Wirken mit meinem Lebens- und Seelengefährten Gert Bastian.» Am frühen Morgen des 1. Oktobers 1992 erschiesst Bastian Kelly im Schlaf, danach richtet er sich selbst. Die Leichen werden erst am 19. Oktober aufgefunden. Die Schlussfolgerungen der Bonner Staatsanwaltschaft lauten: Doppelselbstmord, obschon es keinen einzigen Hinweis darauf gibt, dass Kelly sterben wollte. Sie hatte einen vollen Terminkalender bis 1993, wollte 1994 ins Europa-Parlament sowie eine Umweltsendung bei BBC-London moderieren. Der 69-jährige Bastian hingegen hatte nichts mehr. Er ging auf Krücken, seine politische Karriere war am Ende und seine Noch-Ehefrau Lotte, Sohn Till und Tochter Eva hatten ihm unlängst den Rücken gekehrt. Seite 6 |
Fig. 2: Innen: Petra Kelly, 29.11.1947 Ein Aufschrei der Empörung bleibt aus, stattdessen wird Bastian als Held verehrt, ausgerechnet von den Grünen, die den Mord an Kelly als ritterlichen Akt der Gnade verstehen, da die kranke Frau ohnehin nicht mehr zu retten war. Gerüchten zufolge soll Bastian Kelly kurz vor der Veröffentlichung seiner Stasi-Akten erschossen haben, die er nicht mehr verhindern konnte, doch der Verdacht, dass Bastian als inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) arbeitete, ist widerlegt. Otto Schily, Kellys ehemaliger Parteikollege, ist empört über das Gerede. Für den Juristen ist klar, dass es keine Tragödie, sondern ein Mord, ein kaltblütiger Mord war. Das sehen auch Mutter und die 87-jährige Oma Birle so, denn sie wissen, dass ihre Petra trotz ihrer psychischen Probleme (Panikattacken, Verfolgungswahn) noch über genügend Lebenswillen verfügte und nicht sterben wollte. Es ist eindeutig, dass die tödlichen Schüsse von Gert Bastian abgegeben worden sind, mit seiner Pistole Derringer, die er seit 1963 besass und von deren Existenz die Pazifistin nichts wusste. War es Kellys Karma, so früh, in der Mitte ihres Lebens, zu sterben? Hatte sie den Höhepunkt ihres Schaffens erreicht, oder drohten die Dämonen ihres Unterbewusstseins sie zu verschlingen? Konnte und wollte sie wirklich ohne Bastian nicht mehr Leben? An ihrem Todestag, den 1. Oktober 1992, stand die Sonne kurz vor ihrem Neptun und Chiron auf ihrem Saturn. Transit-Mars stand ebenfalls auf ihrem AC (und auf Bastians Pluto), Pluto flankierte ihren absteigenden Mondknoten, der Alterspunkt erreichte ihre Lilith und der Mond ihren Jupiter. Der seit 1990 rückläufig gewordene progressive Mars stand am Todestag genau auf ihrem IC im Quadrat zu ihrem AC. Kelly hatte ausgepowert. Sie konnte nicht mehr wie sie wollte und sie hatte es versäumt, sich in den letzten zwei Jahren um ihr Innenleben zu kümmern, sich ihren Dämonen, ihren Ängsten, die sie zu verschlingen drohten, zu stellen. Flüchten ging nicht mehr. |